Keya Vloitenspil

Schon von Kindheitstagen an hatte es die Musik der kleinen Keya angetan. Fasziniert beobachtete sie die Barden und Spielleute, die auf ihren Lauten und Dudelsäcken spielend durch die Straßen zogen. Doch die Familie hatte andere Pläne und wollte sie in jungen Jahren verheiraten, an einen Mann mit Geld und gutem Titel. Also lief sie, fast noch ein Mädchen, von zu Hause weg und kämpfte sich durch die Straßen. Mit nicht mehr als den Kleidern am Leib war das Leben nicht einfach in der Gosse. So geriet die junge Frau, die ihren Namen abgelegt und sich ab jenen Tagen schlicht „Keya“ nannte, an zwielichtige Gestalten, wie es sie in der Gosse nur zu Genüge gab. Betrunkene Halunken und ranzige Zuberplanscher, die nicht mal eine ordentliche Ahnung vom Saufen hatten. Schnell unter den Tisch getrunken und die Taler aus den Taschen geklaut, fand sie sich einem Spielmann gegenüber. Ein Lied auf den Lippen, zog es Jenen in die Taverne und Keya folgte ihm etwas neugierig. Den Abend über lauschte sie den Liedern dieses Barden. Da er das Interesse an der Musik bemerkt hatte, drückte er ihr beim Verlassen der Schänke einen metallenen Gegenstand in die Hände. Bei näherer Betrachtung konnte Keya eine Flöte erkennen – rostig und abgenutzt, mit einigen Dellen, doch es war ihr einziger Besitz. Tag für Tag war sie daraufhin in den Straßen anzutreffen, wie sie das Handwerk des Flötenspiels übte. Es war ihre Hoffnung, mit der Musik einige Taler für das Abendessen einspielen zu können, doch keiner hatte etwas übrig für ihre Lieder. An einem regnerischen, kalten Abend hatte sie nach mürrischen Blicken und Beschwerden der Passanten die Flöte zur Seite gelegt und sich frierend in eine Seitengasse verzogen. Da trat ein etwas schwankender Mann auf sie zu. Das weiße Hemd strahlte in der Dunkelheit, im völligen Kontrast zu seiner teilweise mit Dreck verkrusteten restlichen Kleidung. Auf dem Kopf trug er eine grüne Kappe und eine Klampfe baumelte an einem Gurt seinen Rücken hinab. „Du siehst aus, als könntest du ein, zwei Bier vertragen, Flötenspielerin“, bemerkte er mit einem Hauch Sarkasmus in der Stimme. Daraufhin lud Darian der Dichter, in der Gosse gestrandet wie sie selbst, Keya in die Taverne ein.